Die Dreigroschenoper
 

Die Dreigroschenoper ernst genommen? Geht das heute überhaupt noch? Müßte doch eigentlich: Die soziale Schere geht immer weiter auseinander, der Verteilungskampf wird härter und die Repressalien gegen die, die man eigentlich nicht mehr in der Gesellschaft haben möchte, immer größer.

Vor diesem realen Hintergrund der Versuch einer Aktualisierung: Mackie Messer schmuggelt osteuropäische Prostituierte über die nahe Grenze, und beim Kavaliersdelikt bleibt es beileibe nicht, wenn eine der Damen nicht so will wie Mackie. Jenny kann ein Lied davon singen und tut es mehr schlecht als Recht. Und Polizeichef Brown guckt zu, solange die Kasse stimmt.

Von all dem ahnt Polly nichts, als sie Mackie heiratet. Dafür ahnt Kleinbürger Peachum um so mehr. Nicht auszudenken, wenn sein kleines großes Schwarzgeldgeschäft bei der Polizei bekannt würde. Alles also noch so wie bei Brecht. Aber als dann doch die Revolution losgeht und der Kleine Mann sich zu Wort meldet, landen alle im Lager vor den Toren der Stadt. Da können sie dann unter Ausschluß der Öffentlichkeit ihr Happy End behaupten oder auch nicht. Interessieren tut es sowieso keinen Menschen mehr. Ein finale mit reitendem Boten, aber ohne rettende Botschaft.


Ein quasi „neuköllner“ Konzept für die Dresdner Dreigroschenoper. Kontrovers diskutiert von den Schauspielern aus Ost und West während der Proben, und diese Diskussion setzte sich nahtlos fort in der Presse und beim Publikum. Kein „schöner“ Abend, aber ein spannendes Experiment, ob und wie man über soziale Fragen singen darf.

mit: Anja Brünglinghaus, Tim Grobe, Dirk Glodde, Tom Quaas, Nicola, Anna-Katharina Muck, Tessa Mittelstedt, u.a.
 
 
 

von Bertolt Brecht
und Kurt Weill

 

R: Peter Lund
ML: Eckehard Mayer
BB:Ulrike Reinhard
BK: Nicole v. Grävenitz


Premiere:
2. Oktober 2004
Staatsschauspiel Dresden