Die
Dreigroschenoper ernst genommen? Geht das heute überhaupt
noch? Müßte doch eigentlich: Die soziale Schere
geht immer weiter auseinander, der Verteilungskampf wird
härter und die Repressalien gegen die, die man eigentlich
nicht mehr in der Gesellschaft haben möchte, immer größer.
Vor diesem realen Hintergrund der Versuch einer Aktualisierung:
Mackie Messer schmuggelt osteuropäische Prostituierte über
die nahe Grenze, und beim Kavaliersdelikt bleibt es beileibe
nicht, wenn eine der Damen nicht so will wie Mackie. Jenny
kann ein Lied davon singen und tut es mehr schlecht als Recht.
Und Polizeichef Brown guckt zu, solange die Kasse stimmt.
Von all dem ahnt Polly nichts, als sie Mackie heiratet.
Dafür ahnt Kleinbürger Peachum um so mehr. Nicht
auszudenken, wenn sein kleines großes Schwarzgeldgeschäft
bei der Polizei bekannt würde. Alles also noch so wie
bei Brecht. Aber als dann doch die Revolution losgeht und
der Kleine Mann sich zu Wort meldet, landen alle im Lager
vor den Toren der Stadt. Da können sie dann unter Ausschluß der Öffentlichkeit
ihr Happy End behaupten oder auch nicht. Interessieren tut
es sowieso keinen Menschen mehr. Ein finale mit reitendem
Boten, aber ohne rettende Botschaft.
Ein quasi „neuköllner“ Konzept für
die Dresdner Dreigroschenoper. Kontrovers diskutiert von
den Schauspielern aus Ost und West während der Proben,
und diese Diskussion setzte sich nahtlos fort in der Presse
und beim Publikum. Kein „schöner“ Abend,
aber ein spannendes Experiment, ob und wie man über
soziale Fragen singen darf.
mit:
Anja Brünglinghaus, Tim Grobe, Dirk Glodde, Tom Quaas,
Nicola, Anna-Katharina Muck, Tessa Mittelstedt, u.a.
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