Held Müller
Ein deutsches Musical
 

Herwig Müller ist einer von Vielen.
Von sechstausend, um genau zu sein. So viele Arbeiter wollen die Deutschen Automobilwerke nämlich entlassen, um auch in Zukunft auf dem internationalen Markt mitspielen zu können.
Aber dann fliegt die Firmenzentrale in die Luft, und mit ihr der unter Korruptionsverdacht stehende Vorstandsvorsitzende Friedemann von Tilsit. Deutschland und Fernsehfrontfrau Sabrina van Dreesen sind sich einig: Ein solches Attentat war schon lange mal fällig.
Und plötzlich ist Herwig Müller ein bundesweit gesuchter Attentäter.
Was natürlich nichts weiter als ein tragischer Irrtum ist. Aber dieser Irrtum beschert Herwig in wenigen Tagen mehr Aufmerksamkeit, als er je zuvor in seinem Leben von Frau, Kind oder Arbeitgeber erhielt. Und nicht nur für Sabrina van Dreesen ist Herwig ein echter Held.
Alles könnte so schön sein, wären da nicht die intriganten Machenschaften von Vizevorstandchefin Heidlinde Waghausen. Und wer verübt in Herwigs Namen all diese Anschläge auf die Deutschen Automobilwerke? Und warum muss Cheftechniker Hinrichsen sterben? Fragen über Fragen. Und keine wird in dieser Geschichte unbeantwortet bleiben.
Deutschland erlebt einen heißen Frühling. Und sowohl das Land als auch Herwig müssen noch manch bewaffneten Kampf überstehen, bevor Herwig seine Sabrina kriegt und Deutschland das, was es verdient...

mit Eckehart Strehle, Doris Prilop, Franziska Becker, Ulrich Wiggers, Dagmar Biener, Gerd Lukas Storzer, Thorsten Tinney, Marco Billep, Roswitha Stadelmann

Die Neuköllner Oper trifft voll ins Schwarze
Musical


" Held Müller" ist melodramatische Revolutionsposse, Medienschelte und boshaftes Kabarett in einem. Zaufkes Ohrwürmer kriechen zielsicher ins Gehirn und in die Füße sowieso. Udo Jürgens läßt ebenso grüßen wie Reinhard Mey und Harry Belafonte. Neuköllns Oper hat mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Ins Rote auch.“
Berliner Morgenpost


So bringen Peter Lund (Text) und Thomas Zaufke (Musik) ihr Publikum, das in diesem Stück viel zu lachen hat, auch mal fast zum Heulen. Aber ist das gar nicht peinlich, so ein Politstück über arme aussortierte Arbeitslose und die böse Autoindustrie am Tag der Arbeit in Neukölln uraufzuführen? Nein. Es ist ein finsteres Vergnügen, treffend in den Dialogen, aussichtslos in seiner Moral.
Berliner Zeitung


„ (...) Dass Peter Lund ein Händchen hat, die Themen auf der Straße aufzulesen, den Alltag einzufangen und zu pointierten, vor allem aber zu unterhaltsamen Stücken zu verarbeiten, hat er bereits mit "Die Krötzkes", "Das Wunder von Neukölln" und "Erwin Kannes - Trost der Frauen" bewiesen. Sein neues Werk ist eine Gratwanderung: Denn die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit der Massen, die Politikverdrossenheit und aufgestaute Wut nimmt Lund sehr ernst. Tatsächlich wagt er sogar - im Rahmen der Möglichkeiten eines Musicals - die Zusammenhänge von Arbeit und Kapital, die Abhängigkeiten von TV-Moderatoren von Produzenten und Fernsehintendanten, das Wechselspiel von internationalem Markt und nationalen Interessen zu diskutieren. Und weil Lund zugleich immer auch an die Unterhaltung denkt, kommt dabei keine trockene Theoriedebatte heraus, sondern es entstehen griffige Figuren, die den Zuschauer durch eine alles andere als vorhersehbare Handlung begleiten. Bernd Mottl hat das Libretto ganz in diesem Sinne in Szene gesetzt: Ob Konzernchef oder treu sorgende Mutter - Lunds Figuren sind idealtypische, auf schnelle Erkennbarkeit angelegte Charaktere, die auf diese Weise kabarettistisch-satirische Komik, aber auch tragische Tiefe erlangen dürfen. So fetzt denn auch Thomas Zaufkes Musik mit Broadway-typischem Schmiss, und die verquere "Wir sind Deutschland"-Kampagne wird in einem sich pathetisch aufbäumenden Gruppensong persifliert. Keine Frage, "Held Müller" ist ein ausgesprochen aktuelles und wahrhaft "deutsches Musical". Und garantiert ein Hit. (...)“
Die tageszeitung


 
 
 

von Thomas Zaufke
und Peter Lund

 

R: Bernd Mottl
ML: Hans-Peter Kirchberg
Ch: Götz Hellriegel
BB: Jürgen Kirner
KB: Nicole v. Grävenitz

Uraufführung
1. Mai 2006,
Neuköllner Oper

 

Verlegt bei LITAG