Jeder
kennt Hans Christian Andersens Geschichte vom kranken Kaiser
von China, der durch den Gesang einer Nachtigall wieder gesund
gemacht wird. Ein dankbares Thema für das Musiktheater.
Aber der neue Herr Kaiser ist nicht der Kaiser von China.
Und krank ist er auch nicht. Im Gegenteil. Herr Kaiser ist
quicklebendig. Dauernd bastelt er irgendwelche Maschinen.
Doch eines Tages sitzt ein Mädchen namens Nachtigall
auf dem Dach seiner Junggesellenbude, und Nachtigall singt
zum Verlieben schön...
Wie stark ein Zauberton sein kann, wissen wir aus der „Zauberflöte“.
Daß singende Automaten nur begrenzt liebesfähig
sind, lehren uns „Hoffmanns Erzählungen“,
doch das muss Kaiser erst noch für sich entdecken. „Kaisers
Nachtigall“ ist ein handfestes Stück über
all die Schwierigkeiten, die man bekommt, wenn man sich in
etwas Lebendiges verliebt. Und ein Plädoyer dafür,
daß es sich trotzdem lohnt, für einen echten Menschen
den Automaten mal stehen zu lassen.
mit: Samuel Schürmann, Mariel Supka
„Es gibt nicht viele Märchenstücke,
auf die sich Erwachsene genauso freuen wie ihre Kinder.
Hier ist eins: Es heißt ‘Kaisers Nachtigall’ von
Peter Lund (Text) sowie Andrew Hannan (Musik) in der Neuköllner
Oper. (...) Mit sicherem Instinkt setzt Lund die Akzente,
die die Dramatik der Liebe zu einem lebendigen, unberechenbaren
Erlebnis für Kinder und Erwachsene gleichermaßen
machen.“
Der Tagesspiegel
„Es ist drei Uhr nachts. Während die meisten
Menschen schlafen, hämmert Herr Kaiser laut und musikalisch
auf irgendwelchen Geräten herum. Als dann auf dem
Balkon des schrulligen Herrn Kaiser ein lieblich singendes
Mädchen landet und mit ihren allerliebst klingenden
Liedern in der von Technik und Logik bestimmten Wissenschaftshöhle
ein Gefühlschaos hervorruft, hat ‘Kaisers Nachtigall’ bei
den Kindern endgültig gewonnen.
Die Nachtigall, dieses herrlich tirilierende Zauberwesen,
kommt geradewegs aus China. Dort hat sie mit ihrem Gesang
dem im Sterben liegenden Kaiser das Leben gerettet. Aber
das ist eine andere Geschichte. Sie stammt von Hans Christian
Andersen und bildet die Märchenfolie, auf der die moderne
Version der Liebesgeschichte erzählt wird. Und die droht
fast daran zu scheitern, dass der egomanische Herr Kaiser
gern Faust spielt und, wie einst Pygmalion, beinah vergisst,
dass man ein selbst geschaffenes Kunstwerk zwar bewundern,
aber nicht lieben kann. Doch zum Glück hat die Nachtigall
ein großes, verzeihendes Herz. Herr Kaiser muss nicht
sterben. Sondern darf, weil die Nachtigall zurückkehrt
und für ihn singt, lieben und leben.“
Märkische Allgemeine |