September
1992: „Der Spielverderber - Melodram 1942“ -
Eine Erzählung darüber, wie eine Operette im Dritten
Reich entstanden sein könnte: Der Minister hat Regisseur
Keller völlig freie Hand gegeben. Ein Prestigeobjekt.
Der ungarische Star Lana Vargas, Vera Bahrof, die Geliebte
des Ministers, und Kellers Frau Maria schlagen sich um die
Hauptrollen. Nicolas Müller soll den Text schreiben
und will alles ganz schnell hinter sich bringen. Aber dann
verguckt er sich in Keller und ist plötzlich mitten
drin in den eigentlich ganz normalen Katastrophen einer Theaterproduktion.
Mit dem einzigen Unterschied, daß es in einem faschistischen
System normale Katastrophen nicht gibt. Am Ende ist Nicolas
dann nicht mehr da - aber wie Vera sagt: „Mit Spielverderbern
kann man eben nicht spielen.“
Der Spielverderber ist eine fiktive Geschichte, mit erfundenen
Personen, jedoch vor realem Hintergrund. Sie erzählt,
wie einfach der Faschismus funktioniert, wenn man die Spielregeln
erstmal begriffen hat. Diese Spielregeln werden begleitet
von der Musik Friedrich Schröders. Im Dreivierteltakt
sind manche Situationen eben doch leichter zu ertragen -
oder zu übersehen. Und schließlich bleibt einem
immer noch das Eine: „Träume kann man nicht verbieten.“
Mit: Regine Anhamm, Torsten Baireuther, Sylvia Bitschkowski,
Frederike Haas, Antje Rietz, Urs-Werner Jaeggi, Matthias
Körner, Daniel Pfeiffer, Cornelia Poser, WinfriedRadeke,
Jakob Wurster
„Als schlichtweg genial muß man die Verbindung
von Handlung und Musik bezeichnen, denn es erklingt ausschließlich
Musik von Friedrich Schröder. Der Spiritus rector
der Neuköllner Oper, Winfried Radeke, der nebenbei
auch noch mit kauzigem Charme den Komponisten mimt, hat
Schröders eingängige Musik pfiffig für vier
Klaviere arrangiert und mit Peter Lund so in die Handlung
eingebaut, daß kaum einer der Originaltexte verändert
werden mußte. So entsteht flugs eine Nummer am Klavier
aus zwei Todesanzeigen, ein Schlager wird zum beziehungsreichen
Quartett, dümmliche Texte gewinnen Hintersinn in neuen
szenischen Konstellationen.
Unter die Haut geht vor allem der Schluß, wenn der Minister singend von
einer judenfreien Welt träumt und wenn dann das Lied ‘Ich spiel
mit Dir’ - eigentlich ein harmloser Liebes-Schlager - zum grausamen Spiel
um Leben und Tod wird.“
Der Tagesspiegel
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